Sonntagsgespräche

Vertrauen in schweren Zeiten

Birgit Poimer Season 1 Episode 5

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0:00 | 8:23

"Hab keine Angst", das hören wir immer und immer wieder aus dem Mund Jesu. Was uns dabei hilft, im Vertrauen zu bleiben, auch in stürmischen Zeiten und wie wir andere Menschen in Angesicht von Krankheit, Leid und Tod ein Stück weit Hilfe sein können, ist Inhalt dieser Folge. 

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Ein Podcast der Pfarre Raum Wels

Host: Birgit Poimer, Schnitt: Felbermair Jakob

Birgit Poimer

Jesus stieg in ein Boot und seine Jünger folgten ihm nach. Es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm, sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde. Jesus aber schlief. Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn. Sie riefen, Herr, rette uns, wir gehen zugrunde. Er sagte zu ihnen, warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen? Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See. Und es trat völlige Stille ein. Ich bin Birgit Päumer und das sind die Sonntagsgespräche, ein Podcast der Pfarrerraum Wels. Heute zum Thema Ängste und Vertrauen. Ja, die anfangs gehörte Bibelstelle aus dem Matthäuse-Evangelion ist den meisten von uns sehr vertraut. Die Jünger haben Angst, man könnte vielleicht schon sagen Panik. Ihr Boot droht unterzugehen. Das Gefühl kennen wir vermutlich alle. Wenn sozusagen die Stürme des Lebens aufkommen, wenn es um uns tobt, wenn Leid, Scheitern, Krankheit, Ungerechtigkeit und Tod daherkommen. Dann geraten wir leicht in Angst sogar Panik. Dann ist es schwer im Vertrauen zu bleiben. Ja, das mit dem Vertrauen, das ist so eine Sache. Wenn alles gut läuft, dann ist es natürlich leichter, vertrauensvoll durchs Leben zu gehen. Anders sieht die Sache aus, wenn es uns schlecht geht. Dann braucht es eine ganz andere Dimension des Vertrauens. Ich habe mit ein paar Menschen gesprochen, die gerade durch schwere Zeiten gehen, um mit ihnen über Angst und Vertrauen ein bisschen zu reden. Und ich habe auch gefragt, ob sie zu mir in den Podcast kommen wollen und etwas darüber erzählen könnten. Aber ich bin heute alleine. Denn in Zeiten der Krise geht das einfach nicht. Im Nachhinein ist es leichter. In verletzlichen Zeiten brauchen wir zuallererst Schutz und Sicherheit und vor allem viel Kraft, um die Krise zu überwinden. Da braucht man Menschen, denen man vertrauen kann und da kann man sich nicht einer Öffentlichkeit präsentieren. Ich habe heute deshalb keinen Gast, sondern ich möchte einfach ein bisschen davon berichten, was diese Menschen mir erzählt haben, was ihnen hilft, was ihr Vertrauen stärkt, wie sie durch schwierige Zeiten durchkommen und ihre Ängste Schritt für Schritt überwinden. Ja, was mir dabei aufgefallen ist, das ist, dass immer und immer wieder eigentlich dasselbe gekommen ist, nämlich Gemeinschaft. Menschen, die für einen da sind, die für einen beten, die einen mit guten Gedanken begleiten. Das Wissen, dass man nicht alleine ist, sondern dass man durchgetragen wird. Gemeinschaft, die trägt, ist also das, was uns Menschen hilft, um im Vertrauen zu bleiben. Das heißt für mich aber auch, dass kein Mensch diese übernatürliche Kraft hat, selbst im Leid, Schmerz, Trauer und Tod ganz im Vertrauen zu bleiben, sondern dass wir alle immer wieder Hilfe, Unterstützung von anderen Menschen brauchen. Wir sind eben aufeinander verwiesen, aufeinander angewiesen, zutiefst soziale Wesen und miteinander verwoben, sodass wir uns gegenseitig zur Stütze werden können. Es ist gut und wichtig, dass wir alle miteinander Menschen begleiten, denen es nicht gut geht. Begleiten heißt vorsichtig, sachte, liebevoll hinhören, keine billigen Lösungen und falschen Hoffnungen anbieten. Dasein, das Schwere ein Stück weit mit aushalten, aber dennoch den Blick immer wieder auf die Zuversicht zu richten. Eine schwierige Aufgabe, so finde ich, für uns alle, für alle, die jemanden begleiten. Was ist da zu viel, was zu wenig? Was halte ich aus? Ich habe selbst die Erfahrung gemacht mit einer sehr lieben Freundin, die leider eben schon verstorben ist, als sie ihre Diagnose bekommen hat, habe ich versucht, ihre Hoffnung zu machen und habe gemerkt, es ist gar nicht gut angekommen. Manchmal braucht es eben nicht die falschen oder gut gemeinten Hoffnungsgeschichten und Gedanken, sondern einfach ein Dasein. Ja, ich höre auch ganz oft von Menschen, die ein schweres Schicksal zu tragen haben, dass andere sie meiden, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen, oder aber einen schnellen Satz berat haben, der eben das Leid bagatellisiert und wegwischt. Das ist oft zusätzlich eine Belastung und ein Schmerz für Leidende und Trauernde. Ja, die Stürme des Lebens, die kommen. Die können wir nicht wegwischen, das Leid, das Schwere gehört zum Leben dazu. Und alle Menschen werden damit konfrontiert. Aber wir dürfen trotzdem im Vertrauen bleiben. Immer und immer wieder fordert Jesus uns auf, habt keine Angst. Vertraut mir. Gerade im Leid ist der Glaube an Jesus Christus, der selber alles Leid dieser Welt kennt, der durch den Tod gegangen ist und auferstanden ist, oft eine große Stütze für Menschen. Zu wissen, Gott lässt mich nicht allein, auch nicht im Leid. Zu glauben, es geht weiter. Nicht einmal der Tod hat das letzte Wort. Zu hoffen, dass Wunder immer möglich sind und dass das Gebet nicht ohne Wirkung bleibt. Das gibt vielen Menschen Kraft und Mut in schweren Zeiten. Oder wie eine liebe Freundin aus unserer Pfarrgemeinde mir schreibt, wir wissen, dass dieses Leben endlich ist und dass danach etwas kommt, wonach wir uns ausstrecken. Und dass angeblich viel schöner ist. Ein Sein ohne Tränen und Leid. Das im Auge zu behalten, scheint mir wichtig zu sein in schwierigen Zeiten. Die Jünger, die im Boot mit Jesus sitzen, die haben ihn ja direkt neben sich. Sie haben seine Wunder gesehen und dennoch geraten sie in Panik. Das heißt für mich, es ist schwer, Jesus zu vertrauen, selbst wenn er neben einem sitzt. Da tut es gut, in Zeiten der Angst, der Verzweiflung immer wieder jemanden neben sich zu haben, der sagt, alles wird gut, fürchte dich nicht. Und vor allem auch immer wieder selber diese Ruhe zu suchen, ins Gebet zu gehen, in die Stille zu gehen. Es gibt da ein asiatisches Sprichwort, das heißt, im Innersten eines Taifuns kann ein Baby schlafen. Das ist ja genau das Bild, was Jesus auch gemacht hat. Um ihn tobt dieser Wirbelsturm und er selber schläft im Innersten. Das heißt, er ist in der Mitte ganz ruhig und das gilt auch für uns, immer wieder in unsere Mitte zu gehen, unser Zentrum zu suchen, ruhig zu werden, hilft uns, ins Vertrauen zu gehen. Ja, diese Botschaft, alles wird gut. Fürchte dich nicht. Die wollen wir hinaus in die Welt zu allen Menschen bringen. Begleiten wir dabei einander achtsam, liebevoll. Ohne Furcht stützen wir uns gegenseitig, sprechen wir uns immer wieder diese Worte zu. Fürchte dich nicht, hab Vertrauen, ich gehe mit dir. Dass sie selber solche Menschen an ihrer Seite haben, wenn es ihnen gerade nicht gut geht, oder dass sie ein solcher Mensch für jemanden sein können, das wünsche ich allen. Alles Liebe, bis zum nächsten Mal, Vegetäum.