Sonntagsgespräche

Vater-Sohn Beziehungen

Birgit Poimer, Christoph Gatterbauer, Gabriel Gatterbauer Season 1 Episode 3

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0:00 | 22:45

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn aus dem Lukasevangelium (Lk 15,11-32) ist eine der bekanntesten Erzählungen Jesu. Gemeinsam mit Christoph Gatterbauer und seinem 11jährigen Sohn Gabriel aus der Pfarrgemeinde Herz Jesu in Wels sprechen wir über diese Bibelstelle und über Väter und Söhne, aber auch über Geschwisterbeziehungen, Neid und Vergebung.

Wir freuen uns über dein Feedback!

Ein Podcast der Pfarre Raum Wels

Host: Birgit Poimer, Schnitt: Felbermair Jakob

Birgit Poimer

Heute darf ich in eine Minderbild mit euch eintauchen. Wir sprechen über Vater-Sohn-Beziehungen, über Herausforderungen und die Sternstromung des Vaterdaseins, aber auch über Söhne, das Heranwachsen und natürlich Geschwisterbeziehungen, die ja bekanntlich zu den wichtigsten Beziehungen unseres Lebens zählen. Als Vorlage und Inspiration dazu dient uns heute das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder auch bekannt als das Gleichnis vom barmherzigen Vater, das wir im Lukas-Evangelium finden. Ich bin Birgit Päumer und das sind die Sonntagsgespräche, ein Podcast der Pfarrerraum Wels. Heute bei mir zu Gast, Gabriel und Christoph Gatterbauer. Lieber Gabriel, lieber Christoph, schön that ihr da seid.

SPEAKER_02

Danke für die Hand.

Birgit Poimer

Als ich dir erzählt habe, dass wir einen Podcast machen, da warst du gleich Feuer und Flammen und gesagt, da mache ich mit. Und da habe ich mir gedacht, den Gabriel, den lade ich auf jeden Fall mal ein. Was fasziniert dich denn an diesem Podcast-Gedanken oder worauf hast du dich zum Beispiel gefreut heute?

SPEAKER_01

Also, hallo erstmal, danke, dass ich da sein darf. Also ich habe auch in meiner Freizeit generell viele Podcasts und habe selber ein Mikrofon im Keller. Deswegen habe ich gedacht, ja, das ist sicher ein bisschen professioneller.

Birgit Poimer

Das heißt, du möchtest auch selbst einen Podcast aufnehmen.

SPEAKER_01

Habe ich schon.

Birgit Poimer

Hast du schon. Okay, und wie hast du was zu welchem Thema? Schlagzeug. Ah, du bist ja okay, ein Schlagzeuger, so wie der Papa. Du bist elf Jahre alt, Gabriel. Und weil du es gerade erwähnt hast, darf ich dich fragen, welche Podcasts brauchst du denn gerne?

SPEAKER_01

Also sehr, sehr viele auf jeden Fall. Familienpodcast zum Beispiel. Familienpodcast. Oder Quiz-Podcasts.

Birgit Poimer

Familie finde ich spannend.

SPEAKER_01

Darf ich nur fragen, worum geht es da bei so einem Familienpodcast? Die beantworten einfach Fragen rund um Familie und Fragen im Alltag.

Birgit Poimer

Ja, wunderbar. Da sind wir heute ja gar nicht so weit weg, weil wir reden auch über Familie. Wir reden über Väter und Söhne. Du hast deinen Papa mitgebracht, das ist der Christoph. Lieber Christoph, du hast zwei Kinder, den Gabriel und die Mele mit deiner Frau Lisi. Die habt ihr heute nicht mitgebracht. Sie ist zu Hause geblieben wahrscheinlich. Ja, und was ich an eure Familie, was mir immer auffällt, besonders euch eigentlich an dir, Christopher und Gabriel Dir. Wenn ihr hier bei uns seid in der Ceso-Pfarre, ich habe oft das Gefühl, dass ihr gerne herkommt, dass ihr euch hier irgendwie wohlfühlt oder manchmal auch so, ich geführt schnell offen, schnell bereit, euch auch einzubringen. Mich würde mal interessieren, was ist das, was euch gefällt, was euch fasziniert hier, wo ihr Freude dran habt.

SPEAKER_02

Also man spürt in der Fahre grundsätzlich einfach diese Gemeinschaft leben. Und mich besonders zieht immer an, wenn ich spüre, dass sozusagen Menschen aktiv sind, die ihre Energie und ihre Zeit sozusagen verwenden, um aktiv für diese Gemeinschaft beizutragen. Und das möchte ich auch anbringen, neben diesen Gemeinschaftsgedanken ist es schon so, dass ich kenne diese Momente schon, wo ich mich einfach in der Kirche sitze und wohlfühle, weil irgendwie gänzlich gesungen wird. Es gibt so Momente, die mich einfach, wo ich mich erinnern kann an früher, die mich berührt haben. Zuletzt die Geschichte Jesus an sich ist auch was, was mich in meinem Leben begleitet.

Birgit Poimer

Gabriel, was ist es bei dir? Was magst du gern da, wenn du bei uns bist in der Kirche oder bei einer Jungsta oder weiß nicht, es gibt ja nicht nur den Gottesdienst.

SPEAKER_01

Also generell bin ich ein Mensch, der sehr gerne in einer Gemeinschaft ist bei anderen Menschen. Und das ist das, was mir an Messen oder Gottesdiensten so gefällt, immer Bekannten trifft, oder die Musik, oder ich mag einfach diese Zusammenhang.

Birgit Poimer

Heute wollen wir über Father-Sohn Beziehungen sprechen. And that interessiert mich natürlich zuerst einmal eure personal Erfahrung. Gabriel, wie würdest du deinen Papa beschreiben? Gibt es da Ähnlichkeiten, wo du sagst, this is bei mir auch so oder da bin ich ganz anders? Was macht ihr beide so gerne gemeinsam?

SPEAKER_01

Also wir haben beide die Musik gemeinsam. Papa spielt Schlagzeug, ich spiele Schlagzeug. Also das ist auf jeden Fall eine Gemeinsamkeit. Es gibt aber auch Sachen, was man ganz unterschiedlich ist. Wenn dieses Zimmer nicht so aufgeräumt ist, dann ist es mir ziemlich egal, aber Papa muss es sofort weg.

Birgit Poimer

Also der Papa ist eher der Ordentliche und du bist sozusagen, du bist da ein bisschen großzügiger.

SPEAKER_01

Genau.

SPEAKER_02

Das ist eine Auffälligkeit in unserer Familie, einen Vater mit. Ich glaube, diese Auffälligkeit aber einen extrem hohen Ordnungsanspruch. Ich finde, dass da Gabolini extrem viel gemeinsam haben. Da können jetzt wahrscheinlich viele Eltern oder viele Väter fühlen sich bestätigt, wenn ich das jetzt sage, dass man eben sich in den Kindern so facettenreich wieder erkennt. Das ist ja, finde ich, was sehr Interessantes und auch immer abhängig von der Lebensphase, von der Stimmungslage, ist es auch immer interessant, die Sichtweise drauf finde ich. Das war einfach das, was ich jetzt noch interessant gefunden habe zu erwähnen. Man fühlt ja, es gibt sicher solche Personen auch, aber man fühlt ja oft nicht nur die Stärken, die man seinem Kind weitergeben hat, sondern auch Schwächen ist immer eine gefährliche Definition. Und da ist es schon oft so, dass man einfach hin und her wankt, finde ich.

Birgit Poimer

So dass man das Gefühl hat, man würde es den Kindern gerne ersparen, weil man weiß, richtig, genau. Das hat man selber auch gehabt oder hat man selber auch.

SPEAKER_02

Aber da ist es trotzdem einfach wichtig, immer Fokus auf das, wo man das Gefühl hat, ich habe das genau mein Kind mitgeben, was ihm in Zukunft mal was bringen wird und helfen wird. Und da bin ich beim Gabriel sehr zuversichtlich.

Birgit Poimer

Was ist es, was du deinen Kindern mitgeben möchtest? Du hast ja zwei Kinder gemeinsam mit deiner Frau Lisi, den Gabriel mit elf und die Nele mit 8, die hat eben gerade hier Erstkommunion gefeiert. Was ist es, was du sagen würdest, Vater, das wäre mir wichtig, meinen Kindern mitzugeben?

SPEAKER_02

Wichtig finde ich einer beizubringen, dass das Gemeinsame immer im Vordergrund steht. Und man gemeinsam sozusagen, nämlich mit dem Miteinander, letztendlich Ziele erreicht. Und das finde ich viel mehr wie alleine. Und das finde ich ist zum Beispiel auch so ein Faktor, jedem Menschen neutral zu begegnen, ohne Vorurteile zu begegnen. Aber trotzdem auch Mut und Bewusstsein haben zur Leistung. Und Leistung ist auch wieder, finde ich, sehr eine breite Definition, einfach auch sozusagen das Bewusstsein zu haben, dass Sinn macht, dass wenn ich was tue, dass daraus zukommt.

Birgit Poimer

Ja, lieber Christoph, mich würde interessieren, ich selber bin ja Mama. Das heißt, ich kann ja nicht so viel über das Vatersein berichten. Ich kann nur über das Mama sein berichten. Mich würde mal interessieren, so aus deiner Sicht, du hast also zwei Kinder. Was sind für dich so die großen Herausforderungen des Vatersseins? Und auf der anderen Seite, wo sagst du, das sind so die Sternstunden, das sind die ganz großen Freuden, die man als Vater hat.

SPEAKER_02

Also das großartigste Erlebnis oder das schönste Erlebnis würde man relativ regelmäßig und immer wieder sozusagen mit dem Vater werden, zu verstehen, dass es eine absolute Liebe gibt. Da muss man schon viel, finde ich, sehr viel verspülen, dass diese Liebe unterbrochen wird und nämlich absolut im Sinne von getrennt von jeglichen Erwartungen der Kinder. Das hängt nicht davon ab, wie, ich weiß nicht, was für einen Beruf ich habe. Es hängt nicht davon ab, viele Faktoren gibt es da, die keinen Einfluss haben auf diese Liebe, die man, die im Alltag natürlich oft verdeckt bleibt, aber grundsätzlich da ist. Und das ist eigentlich das größte Geschenk, finde ich.

Birgit Poimer

Es ist so eine Liebe, die du spürst, von deinen Kindern, diese absolute Liebe oder die du für die Kinder verspürst?

SPEAKER_02

Das ist wechselseitig, so wie das beschreiben. Und das sind nicht oft kleine Momente, wo man das immer wieder gespürt.

Birgit Poimer

Dieses bedienungslos Ja zum anderen zu sagen. Genau.

SPEAKER_02

Und weg von diesem Gefühl, wo ich mich einfach erfühl als Vater, gibt es, fühle mich total wohl einfach in einer traditionellen Vaterrolle im Sinne von, ich lebe einfach die Familie auch gern. Das heißt, das gemeinsame Wochenende, was zu unternehmen, Traditionen auszuleben, gemeinsame Aktivitäten, das gemeinsame musizieren.

Birgit Poimer

Darf ich fragen, wie musiziert sie gemeinsam? Wir waren zwei Schlagzeuger, wie darf ich mir das vorstellen?

SPEAKER_02

Muss man grundsätzlich laut. Laut und ungehalten.

Birgit Poimer

Okay, also es sind natürlich beide ganz stark Begeisterung. Okay, cool. So kann man es kurz zusammenfassen.

SPEAKER_02

Im Keller beide Türen zu, genau.

Birgit Poimer

Und dann wird drauf losgetrommelt sozusagen. Okay, cool. Ja, hört sich schön an. Und was sind so Herausforderungen, wo du sagst, das bringt mich immer wieder an die Grenzen?

SPEAKER_02

Da ist es in erster Linie klassischer Alltag, würde ich mal sagen. Das vielleicht daraus resultierend, ich würde so beschreiben, dass meine Frau, die Lise und ich, sozusagen so eine klassische 50-50, ehrliche Beziehungen führen. Das heißt, wir arbeiten beide eigentlich Vollzeit, haben dann eben zwei Kinder und haben dann auch die haushält und die allen weiteren Pflichten unter Anführungsstrichen zu erfüllen. Man hat dann auch noch seine eigenen Bedürfnisse und das alles und dann Hut zu bekommen, ist eine irrsinnige Herausforderung, wo man beide, würde ich jetzt einmal sagen, regelmäßig an die Grenzen kommen.

Birgit Poimer

Das heißt, Zeit zu finden für sich selbst, Zeit zu finden, auch für die Partnerschaft.

SPEAKER_02

Richtig, ja, genau. Also diesen ganzen Anforderungen halt, du weißt es selbst, kannst dich sicher nur gut erinnern. Bei dir ist das jetzt wahrscheinlich schon etwas leicht, aber von jeden kleinen schulischen Termin, ganz die Erledigungen, die gemacht werden, über Taxidienst der Kinder nach der Schule zur Musikschule, weiter ins Turnen. Am nächsten Tag muss noch irgendeine Hausaufgabe erledigt sein. Das zweite Kind hat einen Test, selber wie man ins Tournentraining gehen. Der Papa fährt zu einer Probe und so geht es oft eine Woche lang dahin.

Birgit Poimer

Ihr liebt es euer Familienleben quasi sehr modern, kann man sagen, oder so wie es heute ist, so dieses 50-50, beide arbeiten. Ich stelle mir das schon sehr stressig vor. Ihr habt ein bisschen Unterstützung, glaube ich, von euren Großeltern.

SPEAKER_02

An dieser Stelle wollte jetzt auch noch im nächsten Atemzug erwähnen. Also von meiner Seite her die Schwiegereltern, eure Großeltern, Pare und der Walter, die uns da wirklich großartig unterstützen. Es sind zwei sozusagen fixe Nachmittage.

SPEAKER_01

Meistens drei.

SPEAKER_02

Und manchmal ist es ein dritter, weil die Mama halt nur spontan in der Schule irgendeine weitere Erledigung hat oder einen weiteren Termin hat. Das ist natürlich wunderbar, weil es ihr auch so gern dort seid. Aber gleichzeitig muss man auch sagen, es verstärkt nur mal die Thematik, finde ich, anseht es darum geht, dass es viele Alleinerziehende gibt, zum Beispiel. Alles oft ohne einer weiteren Hilfe ändern müssen. Also Chapeau vor allen die.

Birgit Poimer

Ja, nicht umsonst heißt das, es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind großzuziehen. Es ist auch meine Erfahrung. Es ist gut, wenn man viel Unterstützung hat von der Familie. Können auch Freunde sein, aber es ist schon wichtig, dass man junge Familien unterstützt zusammenhilft, dass sich das irgendwie alles handeln lasst. Schön, dass ihr das habt. Ja, wenn wir heute über Vet und Söhne sprechen, dann ist das auch inspiriert von einem Gleichnis, das Jesus erzählt hat und dem wir heute ein bisschen nachspüren möchten. Es ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Vielen ist es auch bekannt, das ist das Gleichnis vom Barmherzigen Vater. Und wir finden es im Lukasevangelium, Kapitel 15, Vers 11 bis 32. Vorneweg. Vielleicht hat Jesus ja ganz gerne in Gleichnissen gesprochen, und zwar immer dann, wenn etwas noch nicht im Erfahrungsschatz der Menschen war. Also das alttestamentliche Bild von Gott war ja eher ein Bild von Gottes heilig, er ist groß, als allmächtig. Aber dieses Bild dieses liebenden, barmherzigen, gütigen Gottes, dieses Vaterbildes, das hat eigentlich Jesus uns erst gebracht. Und weil das eben noch nicht bei den Menschen da war, kann er da auch nicht anknüpfen, sondern er erzählt dann ganz vielen Gleichnissen in Bildern, um den Menschen verstehbar zu machen, wie God is. Und so erzählt er uns heute eben eine Geschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen. Es geht darin um Versagen und auch um Vergebung. Ja, ganz kurz zum Gleichnis. Ich erzähle es in gekürzter Variante. Also der Vater hat zwei Söhne, der jüngere fordert sein Erbe. Er sagt, gib mir, was mir zusteht, und dann geht er ganz weit weg von zu Hause. Könnte man so sagen, er will jetzt eigentlich nichts mehr zu tun haben mit dem Papa. Und dort verprasst er sein Geld mit einem ausschweifenden Leben. Also er schmeißt es beim Fenster hinaus. Alles dann das Erbe verbraucht und er landet auf der Straße. Er hat nichts mehr, muss als Schweinehirte arbeiten. Dann könnte man uns sagen, er ist auf den Hund gekommen. Er darf nicht einmal das Futter der Schweine essen, leidet großen Hunger. Es geht ihm also richtig schlecht. Und da denkt er wieder an seinen Vater. Ihm ist natürlich klar, dass er Mist gebaut hat, das Erbe hat er verspielt. Aber er denkt sich, der Vater hat so einen großen Hof und da hat er vielleicht Arbeit für ihn. Denn den Arbeitern seines Vaters geht es mit Sicherheit jetzt besser als ihm und so macht er sich auf den Weg zurück. Er kehrt also zum Vater zurück. Der Vater sieht den Sohn kommen, schon von weitem, und er beginnt zu laufen. Also mit offenen Armen läuft er dem Sohn entgegen und umarmt ihn. Er freut sich so sehr. Er gibt sofort seinen Dienern den Auftrag, das schönste Gewand zu bringen, einen Ring, ein Maske abzuschlachten, ein großes Fest zu veranstalten. Also der Sohn wird sofort wieder aufgenommen, sogar mit einem Riesenfest, alles gut, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, sie geht weiter. Da kommt nämlich der ältere Sohn ins Spiel, der große Bruder quasi. Der war die ganze Zeit beim Vater und hat immer auf dem Feld gearbeitet, hat dem Vater gedient. Und er kommt nach Hause und sieht eben, dass ein großes Fest gefeiert wird für den jüngeren Bruder. Der wird auch zornig, er fühlt sich ungerecht behandelt. Und er sagt zum Vater, ich bin quasi immer da für dich. Ich mache alles, was du willst, und für mich hast du noch nicht einmal einen Ziegenbock geschlachtet. Dass ich mal mit meinen Freunden feiern könnte. Und dann kommt er, sozusagen, dieser Haludrehung und du feierst ein riesiges Fest. Der Vater sagt nur, komm, freu dich mit mir. Du bist bei mir und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber dein Bruder, der war verloren, der war für uns wie tot und jetzt ist er wieder da. Das ist doch Grund zu feiern. Soweit die Geschichte. Jesus provoziert natürlich schon ein bisschen mit dieser Geschichte, finde ich, weil er stellt die zwei Burschen schon in extremen dar. Den einen, den Halodri, der sozusagen alles beim Fenster rauswirft, total unverantwortlich ist, and the andere, der überangepasste, der alles macht, was der Papa will und nur darauf wartet, dass er endlich einmal auch etwas bekommt. Ja, Gabriel, du bist noch sehr jung, aber ich frage dich jetzt trotzdem, kannst du zum Beispiel dich mit dem jüngeren Sohn nachvollziehen? Der, der sozusagen Mist gebaut hat, der etwas gemacht hat, wo man sagen würde, das ist eigentlich nicht in Ordnung. Das möchte man seinen Eltern lieber nicht erzählen. Hast du da schon irgendwelche Erlebnisse? Es muss ja nichts so was Großartiges sein, aber so das Gefühl, das du dir gedacht hast, das möchte ich Mama und Papa lieber nicht sagen. Es soll geheim bleiben.

SPEAKER_01

Also so, es hat es eigentlich richtig, dass es einen richtigen Mist gebaut hat, das hat es eigentlich noch nie gegeben bei mir so richtig. Also es hat doch nie zum Schrauben gekauft.

Birgit Poimer

Du bist der Musterknappe quasi. Okay, also eher.

SPEAKER_02

Wer will es einfach nicht so wissen?

Birgit Poimer

Naja, wir haben auch den zweiten. Du bist so da der Brave. Dann fragen wir den Papa, weil der hat ja schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel. Ich gehe davon aus, dass du schon das nachvollziehen kannst oder vielleicht auch schon Erfahrung hast damit, wie sich das anfühlt, wenn man einfach mal was macht und man sagt, okay, das war jetzt wirklich, das war nichts.

SPEAKER_02

Ja, wenn ich so zurückblicke, dann würde ich das schon auch so beschreiben, dass in meiner Lebenslinie bis jetzt beide Persönlichkeiten immer wieder mal aufgetaucht sind.

Birgit Poimer

Da Lothrie und drüber angepasst ist.

SPEAKER_02

Das ist auch immer Lebensphasenabhängig ein bisschen.

Birgit Poimer

Und gibt es auch etwas, wo du sagst, okay, da ist wirklich, da würde ich sagen, da habe ich wirklich missgebaut und da musste ich das meinen Eltern beichten?

SPEAKER_02

Ja, also ich kann mich schon an eine sehr prägende Situation oder Geschichte erinnern, wo eben, ja, das ist eigentlich so die einzige, wo ich irgendwie so richtig mal das Gefühl gehabt habe, auswegslos zu sein und sozusagen jeglichen Mut sich dann zusammennehmen zu müssen, um es seinen Eltern zu beeichten. Und das war eben eigentlich nur in meiner späten Kindheit, sage ich jetzt einmal. Und ich habe da sozusagen meinen Cousins, wir waren da auf einem Verwandtschaftstreffen und ich habe meinen Cousins zeigen wollen, dass ich schon Auto fahren kann und habe im Rückwärtsfahren sozusagen das Auto gegen das Nachbarhaus bewegt. Und es war dann extremer Heckschaden. Genau. Und das war damals das Gefühl, wo mir das passiert ist, da habe ich einfach gewusst, also das ist was, was man jetzt einfach nicht rückgängig machen kann. Und das war so einerseits dieses Bewusstsein, das allererste Mal dieses Bewusstsein, das kann ich nicht mehr gut machen. Der Blick geben von meinem Vater damals, wie ich es ihm dann letztendlich gesagt habe, weil er zuvor nur wie ich um die Schlüssel gebeten habe, gesagt, pass auf! Pass auf! Und dieser Blick damals, den werde ich ewig nicht vergessen.

Birgit Poimer

Der hat sich eingebrannt.

SPEAKER_02

Der hat sich eingebrannt.

Birgit Poimer

Was war das für ein Blick?

SPEAKER_02

Enttäuschung, würde ich es jetzt einmal sagen. Und das ist natürlich etwas, was als Kind dann extrem geht, denkt ihr. Finde ich halt. So habe ich es damals empfunden.

Birgit Poimer

Ich finde das so schön, wie du das erzählst, weil ich finde, das streicht die Bedeutung unserer Geschichte so hervor. Das ist das, was wir normalerweise erleben. Wir bauen Mist und ja, die Eltern sind, braucht man sich nur selber an der Nase nehmen. Natürlich, es ist dann da diese Enttäuschung. Und selbst wenn ich nichts sage, der blickt alleine genügt. Ganz anders in dieser Geschichte, so wie Jesus quasi Gott beschreibt. Er sagt, es ist keine Geste von Enttäuschung, sondern pure Freude. Der dreht sich um, läuft ihnen entgegen, nimmt ihn in die Arme, der muss jeder mehr sagen, ich habe das und das gemacht. Also ich finde, das ist so ein wunderschönes Bild, das Jesus da zeichnet, das uns Gott so sehr liebt, dass wir ihn quasi nie enttäuschen können. Ja, das finde ich sehr, sehr schön. Aber Gabriel, jetzt muss ich nochmal zu dir kommen, wo du dich jetzt schon lang weißt, du hast schon gegeben, sogar. Also du sagst, das kennst du weniger, dass du etwas sozusagen verbockt hast. Aber eins würde mich schon noch interessieren, so da kommt ja dann dieser ältere Bruder ins Spiel. Und du bist ja auch ein älterer Bruder. Ich habe auch zwei Geschwister. Ich glaube, dieses Gefühl, dass man vielleicht ungerecht behandelt wird, dass man das Gefühl hat, die Geschwister bekommen mehr oder dürfen mehr. Das kann einen schon zermürben. Kennst du dieses Gefühl von Neid? Oder dass du das Gefühl hast, zum Beispiel die Nele deiner Schwester kann oder darf mehr als du, wird mehr gesehen oder wie auch immer.

SPEAKER_01

Ich kenne dieses Gefühl tatsächlich und es fühlt sich wirklich nicht gut an. Es passiert zwar, also es kommt selten vor, weil ich versuche immer Gerechtigkeit hervorzurufen. Dann so ist ja die Nele, die zwei Erden mehr nehmen, ist doch irgendwie dann auch egal.

Birgit Poimer

Aber du kennst es. Du hast gesagt, dieses Gefühl, das fühlt sich nicht gut an. Kannst du das beschreiben? Ist das wie wenn man könntest du es beschreiben? Wie fühlt sich das an?

SPEAKER_01

Wir gestern immer so, ich werde irgendwie zornig und habe das Gefühl, ich will irgendwas kaputt machen.

Birgit Poimer

Okay, also richtig wütend. Dann wird so innerlich, man sagt, auf der Neid zerfrisst einen so von innen. Und wie löst du das dann, wenn du so ein Gefühl hast? Wie gehst du damit um?

SPEAKER_01

Entweder ich schaffe es nur irgendwie, dass das gerecht wird oder ich gebe mich damit zufrieden dann einmal.

Birgit Poimer

Okay, und wie schaffst du das, dass gerecht wird? Was machst du da?

SPEAKER_01

Ich versuche auch, wenn man zu verhandeln. Okay.

Birgit Poimer

Also du sprichst es an. So wie eigentlich auch der Sohn in der Geschichte, der dann auch sagt, boah, ich finde das jetzt total ungerecht. Ich fühle mich gerade so und so.

SPEAKER_01

Gleich hast du nicht gerecht.

Birgit Poimer

Okay, also das ist für dich schon ein Unterschied. Es muss nicht gleich sein, aber es soll gerecht sein. Das ist natürlich immer schwierig. Was sich für den einen gerecht anfühlt, kann sein, dass es für den anderen nicht gerecht anfühlt.

SPEAKER_02

Zwei Aspekte finde ich interessant. Habe ich jetzt empfunden, als sozusagen Erwachsener schon, aber auch sozusagen in Beziehungen mit drei Geschwistern, die ja noch immer sozusagen vorhanden ist. Diese kennt man ja, dass es ganz, ganz viele Geschichten gibt. Am schönsten natürlich immer, wenn man sie gänzlich gut verträgt. Es gibt aber natürlich auch oft in der Lebenslinie oft viele Einschnitte, wo vor einmal Geschwisterbeziehungen auseinandergängen, oft dann nicht gut, eh wieder zusammenfinden. Also das finde ich an sich ein extremes Spannungsfeld und das spiele ich auch noch immer. Also ich habe grundsätzlich ein gutes Verhältnis mit meinen Geschwistern, aber je nach Lebenslage ist die Verbindung zu einem Geschwister vielleicht besser als wie mal wieder fünf Jahre später, wo man wieder in einem anderen Lebensabschnitt ist. Also sehr divers finde ich.

Birgit Poimer

Es heißt ja, man sagt ja, die Geschwisterbeziehungen sind mitunter die wichtigsten Beziehungen im Leben, weil sie auch normalerweise am längsten andauern. Und das Thema Nummer eins bei Geschwisterbeziehungen ist natürlich das Thema Neid. Richtig, ich glaube bisher. Thema und Anerkennung auch oder um gesehen werden, um letztlich, das muss man eben teilen, was die Eltern dann geben. Erfahrungsgemäß ist je mehr Geschwister, desto komplexer und schwieriger wird das auch. Und es ist auch eine lebenslange Aufgabe. Ich finde es schön, Gabriel, wie du das gesagt hast. Ich kenne das Gefühl, aber ich stelle mich dem und ich versuche das auch über das Gespräch bewusst anzusprechen. Ich denke, das ist so ein ganz wichtiger Punkt, dass wir auch, wenn wir mit den Gefühlen, die unten sind, ja auch ganz normal sind, dass wir das auch thematisieren, so wie auch in der Geschichte. Oder auch sagen, ich spreche das jetzt an, was mich bewegt, dann gibt es auch Möglichkeiten sozusagen das zu verändern. Ja, ich danke euch, euch beiden, dass ihr euch heute Zeit genommen habt. Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, alles Liebe und bis zum nächsten Mal bei den Sonntagsgesprächen. Ihre Birgit Poller.

SPEAKER_02

Danke für die Einladung. Gerne.

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Danke.