Sonntagsgespräche

Jesus und die Frauen

Pfarre Raum Wels Season 1 Episode 2

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 24:42

Den Wert und die Würde jeder Frau zu sehen und zu heben war nicht nur Grundanliegen Jesu, sondern ist auch Antrieb und Motivation für unseren Podcast Gast Doris Schulz. Doris Schulz ist Schriftstellerin, Medienprofi, war viele Jahre in der Politik und zeichnet sich vor allem durch ihr Engagement für Frauen in ganz unterschiedlichen Bereichen aus. Wir sprechen mit ihr ganz persönlich übers Frau sein und betrachten die Evangeliumsstelle „Jesus und die Ehebrecherin“ in Joh 8,1-11.

Wir freuen uns über dein Feedback!

Ein Podcast der Pfarre Raum Wels

Host: Birgit Poimer, Schnitt: Felbermair Jakob

Birgit Poimer

Wenn man ihren Namen ins Internet eingibt, dann kommt ein beeindruckender beruflicher Lebenslauf, der von Politikerinnen über Medienprofi, Frauenbeauftragte, Schriftstellerin bis hin zum silbernen Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich geht und durch den sich ein roter Faden zieht, nämlich das Engagement für Frauen allen Alters in Österreich. Heute wollen wir mit ihr ganz persönlich über Frau sein und auch über das besondere Verhältnis Jesu zu den Frauen sprechen. Ich bin Birgit Poimer und das sind die Sonntagsgespräche, ein Podcast der Pfarrerraum Wels. Heute bei mir zu Gast, Doris Schulz. Liebe Doris, schön, dass du da bist.

Doris Schulz

Herzlichen Dank für die Einladung, liebe Birgit. Ich freue mich und bin schon neugierig auf das Gespräch.

Birgit Poimer

Ja, liebe Doris, du bezeichnest dich selber mittlerweile als Medienfrau und du bist beruflich in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv. Du bist Autorin, bist auf Social Media unterwegs, hast auch selber einen Podcast. Du bist sozusagen mein erster Profi, den ich hier zu Gast habe. Aber heute bist du nicht in deiner Profession da, sondern ganz persönlich, ganz privat als einfaches Mitglied unserer Pfarrgemeinde. Ich habe dich kennengelernt als zugleich sehr sanfte, liebevolle und wohlwollende Frau, aber auch als innerlich gefestigt und selbstsicher. Du setzt dich ein für andere, du stehst ein für das, was dir wichtig ist, und teilst ja großzügig, was du hast. So in Summe verkörperst du für mich persönlich ein Bild von Frau, das ich wunderschön finde. Nichts an dir ist aufgesetzt, überzogen oder gekünstelt. Du verbindest weibliche Anmut und Schönheit und Sanftheit mit Stärke und Offenheit. Ja, meine erste Frage, liebe Dores, was oder wer hat dich geprägt? Dein Frauenbild, so wie du jetzt bist, gab es da Vorbilder, besondere Menschen in deinem Leben?

Doris Schulz

Ich denke, die Vorbilder, die ich habe, die gibt es auch heute immer noch. Das ist einerseits natürlich meine Mutter. Dann sind es auch ihre Schwestern, die ein unglaublich enges Verhältnis haben, alles tüchtige Frauen, die ganz viel geleistet haben und die sich jetzt, wo sie schon in höherem Alter sind, einfach so unglaublich unterstützen und wissen immer und ein Gefühl dafür haben, was die andere braucht. Und als Journalistin habe ich natürlich ganz viele Interviews mit Frauen geführt. Und mein Ziel war immer, etwas Besonderes an meiner Interviewpartnerin zu finden. Und das hat mich unglaublich geprägt, vor allem die Erzählungen von älteren Frauen, die einerseits eine gewisse Abgeklärtheit haben, aber auf der anderen Seite einfach so viel Positives im Leben abgewinnen können und auch manchmal schon über so übliche Geschichten einfach hinwegschauen können und auch lachen über gewisse Dinge, wo man sagt, um Gottes Willen, was für eine Katastrophe. Und diese Frauen haben das dann immer sehr schön auf den Boden wieder heruntergebracht. Und das hat mich wirklich, diese vielen Gespräche, diese Interviews und das gilt auch für heute noch, sind das, was mich prägt. Ich lerne jeden Tag dazu.

Birgit Poimer

Bleib dir bei deiner Mama. Ich sehe dich ja oft mit deiner Mama in der Kirche. Das heißt, deine Mama war für dich jemand, der auch Vorbild war oder wie hast du das Frausein auch beerlebt? Sie ist doch eine Generation schon vor dir, wo auch das Frauenbild eigentlich noch ein anderes war.

Doris Schulz

Ja, das war oft Gespräch bei uns, dass sie für ihre Generation, wo sie eine junge Frau war, das war in den 1950er, 60er Jahren, war sie eine der wenigen, die berufstätig sein wollte. Sie hatte Buchhalterin gelernt und sie hat das sehr oft erzählt, das war damals natürlich keineswegs üblich, da haben die Männer ihre Frauen versorgt und es war nicht üblich, dass Frauen außer Haus arbeiten. Und sie hat das sehr oft erzählt, dass sie am Tag, bevor sie ihren Arbeitsantritt hatte, hat sie sich erst getraut, dass meinem Vater zu sagen, der ein sehr liberaler war und der das sofort verstanden und unterstützt hat. Aber für sie war das ein ganz großer Gewinn. Und sie musste sich oft dann rechtfertigen, anderen Frauen gegenüber, die zu Hause geblieben sind. Und da hat sie viele Kämpfe gekämpft. Darüber hat sie mir sehr oft berichtet und ich habe gesehen, wie agil und aktiv und engagiert sie über das Berufliche hinaus immer war. Und das, glaube ich, ist schon etwas, was sehr prägt, auch wenn man es immer nur so aus dem Augenwinkel mitbekommt als Kind. Aber das waren interessante Gespräche und ich erinnere mich noch an viele dieser Art.

Birgit Poimer

Das heißt, deine Mama war eigentlich eine Kämpferin, hat sozusagen schon den Weg bereitet für dich, weil ich habe natürlich dadurch, dass ich viele Begräbnisse habe. Das heißt, ich höre viele Geschichten von älteren Frauen und gerade zu dieser Zeit war es eben so, dass ich ganz viele Frauen eben das, die konnten das nicht haben. Ich habe gerade letztlich eine Geschichte gehört von einer Frau, die noch am Sterbebett dann bedauert hat, sie einfach keine Ausbildung machen durfte. Also das war damals nicht selbstverständlich in der Generation unserer Mütter. Also ich bin jetzt 50, du bist zehn Jahre älter als ich ungefähr, also gut 60. Das heißt, die Generation unserer Mütter, da war deine Mama als eine besondere, die sich das auch erkämpft hat. Ich weiß, meine Mama zum Beispiel, die war von einem Bauernhof aufgewachsen. Es war es einfach nicht möglich, dort eine Berufsausbildung zu machen. Da hat es geheißen, du arbeitest zu Hause und dann heiratest du, ja. Und dieses Schicksal haben sicher viele Frauen geteilt. Okay, zurück zu deiner Mama. Sie haben viele Schwestern.

Doris Schulz

Also meine Mutter hat in Wahrheit fünf Geschwister und sie war eine der älteren Schwestern und hat sozusagen die Jüngeren mit aufgezogen. Es haben auch meine Tanten ihre Lehrzeit bei uns in Wels gemacht und haben bei meinen Eltern gewohnt. Und daher haben die natürlich ein ganz enges Verhältnis, telefonieren, alle paar Tage miteinander. Jede weiß, wie es der einen geht, was die andere braucht, worüber sie sich gerade ärgert oder worüber sie lachen kann. Und das ist was sehr, sehr Schönes. Und entsprechend lustig sind auch entsprechende Familienfeste und Zusammenkünfte. Und da achten wir schon darauf, dass wir das häufig machen können. Die mutet jetzt den 90ern vor der Tür stehen und wir haben schon geplant, ihr Fest zu organisieren.

Birgit Poimer

Okay, sehr schön. Du hast auch eine Tochter, hast du mehrere Kinder? Ich glaube, du hast eine Tochter.

Doris Schulz

Ich habe zwei Kinder, das ist die Antonia, die ist jetzt 28 Jahre alt und ist Content Creator oder Influencerin, wie man sagt. Das macht sie selbstständig ganz alleine, hat über 260.000 Follower auf Instagram. Ich bin unglaublich stolz auf sie. Sie hat das alles selbst gemacht. Sie hat kein Team, das hinter ihr steht, was sehr oft bei Influencern nicht der Fall ist, sondern sie macht das wirklich alleine und ist sehr, sehr erfolgreich. Das freut mich. Ab und zu habe ich das Gefühl, sie sieht mich ein bisschen als Konkurrenz, zum Beispiel das Thema Podcast. Sie macht einen Podcast, ich mache einen Podcast. Und da war es ein bisschen getrübt, die Stimmung, aber ich habe halt 20 Jahre Radio gemacht. Also das ist sozusagen auch ein Teil meiner Profession und Leidenschaft über Frauenthemen auch zu sprechen. Und ich habe einen Sohn, das ist der Benno, der macht zurzeit gerade das Auslandssemester, also der studiert in Graz International Management und ist ein ganz lieber und sehr oft und viel auch mit mir in die Kirche hierher gegangen. Gerade kürzlich, nachdem er jetzt nicht da ist, haben wir telefoniert und ich habe ihm erzählt, dass ich im Gottesdienst war und wie schön es ist, daran zu denken, wie er ein kleiner Pup war, so bis sechs, sieben Jahre, und wenn er im Gottesdienst so ganz eng auf mir gekuschelt ist. Das waren für uns ganz besondere Momente.

Birgit Poimer

Das ist ein schönes Gefühl, kann mir auch erinnern. Ganz schön, ja. Ja, das heißt, es gibt schon auch die Männer in deinem Leben, weil wenn man das so, genau, ich sehe dich immer mit der Mama, du redest von deiner Tochter, so, also da gibt es auch Männer. Kannst du vielleicht auch erzählen, wie haben die Männer dein Leben geprägt? Oft sagt man ja, dass der Vater eigentlich dafür zuständig ist, wie man als Frau auch so welches Selbstverständnis man hat, wie man glaubt, behandelt werden zu dürfen, zu sollen. Also auch über die eigene Wertigkeit wird sehr stark vom Vater geprägt. Wie war da dein Verhältnis dabei?

Doris Schulz

Mein Vater ist leider verstorben, aber er war immer mein Held. Also wirklich. Wir sind im Umspannwerk aufgewachsen, also eine total technische Umgebung. Und er hat uns immer mitgenommen, hat uns alles gezeigt. Ich kenne Turbinenräume von innen, ich kenne Kraftwerke. Das habe ich immer miterleben dürfen, als etwas ganz Besonderes, weil da kannst du nur hinein, wenn du sozusagen den Betreiber da an der Hand hast. Und er war sehr, sehr großzügig, sehr gesellschaftlich engagiert, jeden Abend in einem anderen Club, aber immer sehr beschränkt, so von der Zeit her, das war immer genau alles vorgegeben. Und ich habe auf meinem Kasten ein paar goldene Schuhe stehen. Manche lachen darüber, aber das sind echte goldene Schuhe. Das heißt, es sind Schuhe mit Goldstaub drauf. Die hat mir mein Vater zu meinem ersten Ballkleid gekauft. Und die sind einfach was Besonderes. Und das ist irgendwie auch für mich so ein Sinnbild für meinen Vater.

Birgit Poimer

Schön, okay. Das beantwortet viele meiner Fragen, warum du auch so selbstsicher so voll Stärke im Leben stehst. Das heißt, du wurdest sowohl von Papa als auch Mama da immer unterstützt und gefördert. Und man sieht auch jetzt deine Emotion, wenn du an ihn denkst und wie stark da eure Verbindung noch da ist. Ja, und dennoch, wenn man auf deinen Lebenslauf schaut, was sich so ein bisschen durchzieht, das ist eigentlich immer schon das Engagement für Frauen. Woher ist es gekommen, so dieser Wunsch, dass du Frauen unterstützen möchtest, dieses Thema, dem du dich eigentlich verschrieben hast?

Doris Schulz

Da gibt es eine ganz besondere Geschichte dazu, warum ich mich besonders für Frauen einsetze. Ich habe in Graz studiert, mit meinem Bruder zusammen gewohnt. Er war in einer Studentenverbindung. Ich habe mich dort auch eingeklinkt, weil das war lustig, interessant. Er hat Spaß gemacht und wir haben viele Freunde gewonnen. Und dann hat sich das so entwickelt, dass ich eine StudentInnenorganisation selbst gegründet habe, mit den vielen Mädchen, die ich dort kennengelernt habe. Wir haben gesagt, das können wir auch und wir machen das. Und wir benennen uns nach der ersten Frau, die an der Grazer Uni promoviert hat. Und wir dachten, wir gehen dort einfach hin und sagen, wer war das und was sind ihre Daten und wo ist ihre Biografie? Ja genau, so war es nämlich überhaupt nicht, sondern es hat geheißen, im Rektorat ja wir wissen nicht, wer das war. Hier haben sie die Matrikenbücher, die können sie selber durchsuchen. Und wir haben zu dritt eine Woche lang durchgeblättert, weil so um 1918 herum war es ja nicht allen Frauen erlaubt zu studieren, vor allem Frauen mit naturwissenschaftlichen Fächern, durften überhaupt das noch viel später studieren. Das war einfach österreichweit so das Gesetz. Und wir haben gefunden, dann eine Serafiner Buchleitner, die als erste Frau in der Grazia Uni promoviert hat. Sie hat ihr ganzes naturwissenschaftliches Studium, sie hat Chemie studiert, das ganze naturwissenschaftliche Studium bereits vorab in der Schweiz gemacht, musste alles noch einmal in Österreich machen. Und wir waren natürlich erstens einmal glücklich, dass sie Serafina geheißen hat, weil es einfach so ein schöner klingender Name ist für die Organisation, für die wir den Namen gebraucht haben. Und sind dann auf die Suche nach dieser Frau gegangen, die leider ohne Familie geblieben ist. Und am Steinfeld-Friedhof in Graz, das ist ein kleinerer Friedhof, haben wir gewusst, dass sie dort sein muss, suchen das Grab und das Bild habe ich heute noch vor mir, ein Grabstein, wo ein Elberzettel drauf klebt, Grab zu verkaufen. Und ihr Name und ihre Lebensdaten und das war's. Wir haben dann als StudentInnen-Organisation die Grabpflege natürlich sofort übernommen, haben geschaut, dass das ordentlich, dass sie ihren Wert, dass der auch auf diese Art und Weise gezeigt wird. Und ich bin dann zum Rektor der Universität, habe ihm das alles erzählt. Und der war ganz toll, der hat gesagt, das ist ja erschütternd, was sie mir da erzählen. Sie bekommen die Räumlichkeiten der alten Universität in Graz und sie machen, organisieren ein Symposium zum Thema Geschichte der Frauen an der Universität Graz. Alle, die sie einladen möchten, sind herzlichst eingeladen und Gäste. Und das war großartig. Also damit hatten wir gar nicht gerechnet. Das war ein ziemlicher Aufwand, weil ja wir erst das Bewusstsein für Frauen in der Wissenschaft an den verschiedenen Fakultäten wecken mussten. Und einige haben gesagt, das interessiert uns gar nicht. Aber um die Geschichte abzukürzen, für mich war das sozusagen der Anstoß, dass jede Frau leistet etwas. Und jede Frau muss mit ihrer Geschichte wertgeschätzt und gesehen werden. Jetzt vor ein paar Jahren, und das freut mich ganz besonders, habe ich wieder mal auf der Homepage der Universität Graz nachgesehen. Jetzt gibt es einen Serafiner Buchleitner Preis. Weil die Serafiner Buchleitner Zeit ihres Lebens an der Graz Uni unterrichtet hat und dann die Lehrerinnenbildungsanstalt in Graz geschaffen hat und dort dieses Institut geleitet hat. Also das nennt man heute Pädagogische Akademie, aber das war das Werk der Serafiner Buchleitner in der Steiermark, die mit anderen Frauen dieser Zeit in Österreich, das wissen wir von Briefen, vernetzt war. Wir wissen nicht viel über sie, leider.

Birgit Poimer

Das ist sehr beeindruckend. Darf ich fragen, wann hat die Serafina dann promoviert? In welchem Jahr war das? Oder ungefähr.

Doris Schulz

Es muss so um 1920 herum gewesen sein, dass sie promoviert hat.

Birgit Poimer

Und wann warst du studiert? Also wann habt ihr das in den Jahren?

Doris Schulz

In den 1980er, ja. Also 1982 habe ich zu studieren begonnen. Das heißt, 1985 herum haben wir diese Rafiner Buchleitner wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Und das ist für mich mein Schlüssel für jegliches Engagement, Frauen sichtbar zu machen.

Birgit Poimer

Ich finde das fantastisch. Und ich denke mir da gerade, ihr wandelt es in den Spuren Jesu. Weil das ist ja auch heute ein bisschen unser Thema. Da können wir vielleicht einmal hinschauen. Wenn du jetzt so erzählst, wie das 1918 war, also wir reden jetzt von ungefähr 100 Jahren, es ist noch nicht so lange aus. Kein Wahlrecht für die Frauen, keine Berufsmöglichkeiten. Kein eigenes Bankkonto. Genau. Das ist bis in den 1980er Jahre geblieben. Wir wissen, dass in vielen, vielen Ländern der Erde auch heute Frauen noch nicht als gleichwertig gelten, mehr oder weniger so wie der Besitz des Mannes sind. Und so war es eben auch zur Zeit Jesu. Also Jesu im alten Israel sozusagen vor gut 2000 Jahren. Dort war eben auch eine patriarchalische Kultur. Und die Frauen wurden wirklich angesehen wie eben der Besitz des Mannes. Weniger Rechte, oft Diskriminierung und vor allem auch starken Gesetzen unterworfen. Eines davon war eben, wenn man zum Beispiel beim Ehebruch erwischt wurde, dann galt für die Frau dann sozusagen als Konsequenz die Steinigung, also die öffentliche Hinrichtung. Jesus ist eben ganz anders mit den Frauen umgegangen und ich möchte zuerst jetzt mal eine Geschichte erzählen, die wir uns heute anschauen. Es ist keine Geschichte, es ist eine Stelle aus dem Evangelium, und zwar aus dem Johannesevangelium. Wir finden sie in Kapiteln 8, 1 bis 11. Und das geht eben um die Begegnung von Jesus mit einer Ehebrecherin. Ich darf sie kurz erzählen, ich werde sie ein bisschen abkürzen. Den Kontext wissen wir, patriarchalische Gesellschaft, Frauen eigentlich ohne Rechte. Und Jesus ist ja besonders liebevoll, wertschätzend immer mit den Frauen umgegangen und hat sich auch mit Frauen umgeben. Nicht nur deshalb war er den schriftgelehrten Pharisäern, also den Gesetzeshütern sozusagen der damaligen Zeit, auch ein Dorn im Auge. Und sie nutzen die Gelegenheit, Jesu lehrt im Tempel und sie bringen ihm eine Frau. Sie sagen, diese Frau ist gerade beim Ehebruch ertappt worden und du weißt, das Gesetz sieht vor, Steinigung. Also was sagst du, was sollen wir mit ihm tun? Sie wollen ihn natürlich provozieren, sie wollen, dass er sich bekennt, dass sie einen Grund haben, ihn anzuklagen. Und Jesus reagiert dann ganz unerwartet. Er sagt nichts, er bügt sich und beginnt mit dem Finger in den Sand zu schreiben. Das macht seine Gegner natürlich nur noch erwütender, sie wollen eine Antwort von ihm. Also sie geben keine Ruhe und sie fordern ihn auf, er muss jetzt hier Stellung beziehen. Und dann kommt dieser vermutlich einer der bekanntesten Sätze, Jesu, die wir kennen, wo er eben sagt, wer selber ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und ja, es kehrt Stille ein. Natürlich Beschämung und einer nach dem anderen zieht von dannen. Natürlich, weil sie wissen, keiner von uns ist ganz ohne Schuld, keiner macht immer alles richtig, wir alle sind irgendwo belastet. Und dann endet die Geschichte damit, dass Jesus mit dieser Frau alleine ist. Und er sagt zu ihr, hat dich keiner verurteilt? Und sie sagt, nein, alle weg, niemand. Und er sagt, auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr. Ich finde es eine wunderschöne Geschichte, weil einfach so deutlich wird, wie die Würde und der Wert, also das, was du vorher beschrieben hast, wie wichtig das Jesus ist. Die Würde und den Wert jeder Frau zu heben. Keine Verurteilung. Er weiß, was sie gemacht hat. Und wenn wir ehrlich sind, also das kann jedem von uns passieren. Wenn wir wissen, wie die damaligen Verhältnisse sind, kann man es vielleicht sogar noch besser verstehen. Aber wir alle kommen auf Abwege. Wir alle haben zerstörerische Tendenzen in uns. Die kommen vielleicht aus Erfahrungen, die wir gemacht haben. Manchmal sind wir selber schuld, manchmal ist für andere schuld, manchmal ist gar niemand schuld und es sind einfach unglückliche Umstände oder wie auch immer. Für Jesus ist das alles eigentlich irrelevant. Er fragt nicht nach, er will keine Details, er geht darauf nicht ein, sondern er sagt nur, ich bring dich zurück in deinen Wert und in deine Würde und geh in deine Größe zurück. Ich finde es auch schön, dass er nicht einfach sagt, es macht eh nichts. Er sagt schon, geh und sündige nicht mehr, also bleib in deiner Größe. Glaub an dich. Geh heraus aus diesen selbstzerstörerischen Tendenzen. Geh hinein in das, wozu du gedacht bist, was in jedem Menschen, in jeder Frau auch drinnen ist, ein großer Wert, eine große Würde. Ja, so das ist die Geschichte. Ich weiß nicht, wenn du die Geschichte hörst, du kennst sie vermutlich so wie auch die meisten unserer Hörer. Aber es ist das, was dich am meisten darin bewegt oder auch anspricht.

Doris Schulz

Also die Geschichte kenne ich natürlich und ich finde sie auch sehr schön. Und für mich ist es ganz wichtig, wie zeitgemäß unser Glaube ist, der sich an solchen Geschichten orientiert. Ich habe gelernt, irgendwann einmal den Unterschied zu treffen zwischen Amtskirche und Glauben. Denn das sind zwei Pahe. Und auch die Amtskirche ist diesen Weg gegangen, dass sie Frauen verurteilt, dass sie Frauen vieles nicht zugesteht, bis heute nicht verschiedenste Dienste machen lässt. Aber das ist die Amtskirche. Das ist sozusagen der Verein, der diesen Glauben vertritt. Und dieser Glaube ist aber der eigentliche Kern, was uns ja beschäftigt und auch hält. Das halte ich für ganz, ganz wichtig. Und dieser Glaube ist auch in der Geschichte nicht, aber vielfach auch dieses Mysterium, das wir suchen in unserem Leben. Und ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, sich immer wieder diese Geschichten anzuhören, selbst durchzudenken, weil man ist in unterschiedlichen Situationen. Für Männer hört sich diese Geschichte vielleicht anders an als für junge Frauen. Und man liest und versteht sie eben aus der eigenen Biografie heraus. Und so gesehen ist das eine sehr, sehr moderne, sehr zeitgemäße Form und als Geschichte wirklich beispielgebend, wie es sein sollte. Wert und würde jedes Menschen zu erhalten, unabhängig davon, was er im Moment gemacht hat oder getan hat.

Birgit Poimer

Wie hast du selber, ich weiß, dass du dich auch sehr engagierst für die Aktion Tag des Lebens. Da geht es ja darum, auch schwangere Frauen in Notsituationen zu unterstützen. Wie hast du das schon erlebt? Hast du Frauen kennengelernt in so Notsituationen, die unverschuldet oder wie auch immer da hineingeraten sind? Was hast du da für Erfahrungen gemacht?

Doris Schulz

Also Aktion Leben steht sozusagen hinter dieser Aktion Tag des Lebens und der Beginn der Aktion Leben liegt hier in dieser Pfarre in der Herzeso-Pfarre, weil Eduard Bloyer war hier tätig, war engagiert, war KA-Generalsekretär viele Jahre und der hat im Zuge der Fristenlösungsdiskussionen, Streits, Demonstrationen in den 1970er Jahren, hat er die Aktion Leben gegründet und immer mit dem Blick auf Frauen, die ungewollt schwanger sind, und versucht, ihnen entsprechend auch Unterstützung zukommen zu lassen. Das Bild hat sich noch einmal weiterentwickelt. Das heißt, die Frau, unabhängig davon, welche Entscheidung sie dann tatsächlich für das Kind und sich trifft, sie trifft immer eine Entscheidung in erster Linie für sich als Frau. Und da ist die Aktion Leben natürlich dann österreichweit sehr groß geworden, weil sie ein Gegenangebot hat zu dem, was eine automatische Abtreibung sein würde. Das heißt, die Aktion Leben ist da für Frauen in Not- und Krisensituationen, bei ungewollten Schwangerschaften, aber auch wenn sie mit kleinen Kindern einfach kämpfen ums Überleben, um Organisation von Übersiedelung und sonstigen Dingen. Und wir machen Begleitung bzw. vermitteln Beratung für Frauen, die in dieser ganz schwierigen Situation sind. Denn eine Schwangerschaft hat halt nur neun Monate. Und die Entscheidung für ein Kind kann ich gleich treffen. Oder vielleicht brauche ich einfach eine gewisse Zeit, um zu schauen, wie kann ich das überhaupt schaffen. Denn ein Kind und Mutter bin ich dann ein Leben lang. Viele Frauen brauchen dann auch einen Polster, eine Sicherheit natürlich, um sich dafür entscheiden zu können. Und da gibt es ganz viele Angebote mittlerweile, die die Aktion Leben entwickelt hat. Eine davon ist eben dieser sogenannte Tag des Lebens.

Birgit Poimer

Den du hier jedes Jahr mit uns gemeinsam durchführst, den wir jetzt auch im Juni wieder haben werden. Das heißt, das ist ein Gottesdienst, wo es nachher kann man Überraschungspacker kaufen. Überraschungspacker deshalb, man weiß nicht, was drinnen ist. Das ist ja auch so, wenn man ein Kind bekommt. Das ist immer eine grosse Überraschung. Und mit dem Erlös werden dann eben diese schwangeren Frauen oder Mütter unterstützt. Ich möchte jetzt Ihnen noch ein bisschen überleiten, auch so eben dir persönlich. We waren beim Thema Jesus und die Frauen. Dein Glaube oder nennen wir es dir anders, deine Begegnung mit Jesus Christus, deine Beziehung zu ihm. Wie hat sie dich geprägt? Wie hat sie dich verändert?

Doris Schulz

Ich bin in dieser Kirche schon getauft worden, hier in der Ceso-Kirche in Wels bin ich schon getauft worden und habe eigentlich, egal ob ich in Graz, in Linz oder sonst wo beruflich war, immer wieder hier meine Heimat gefunden. Und das ist etwas ganz Besonderes, weil ich gehe gerne in den Gottesdienst, wenn auch nicht regelmäßig, aber ich gehe sehr gerne in den Gottesdienst. Ich gehe gerne, wenn ich viel Freude habe. Und ich gehe sehr, sehr gerne, wenn ich das Gefühl habe, dass ich alleine oder traurig bin. Ich spüre die vielen Menschen um mich. Ich höre alles, was so rundherum und vor allem im Gottesdienst auch gesprochen wird. Es bringt mich auf Ideen oder bringt mir auch Lösungen. Und allein das Gefühl, hier zu sein und da rundherum sind ganz viele Menschen. Und ich könnte jederzeit jemandem ansprechen oder etwas erzählen oder fragen, das ist was sehr, sehr Gutes. Und ich kann das nur jedem empfehlen, der das Gefühl hat, einsam zu sein. Das sind die Momente, wo man keine Einsamkeit erlebt, sondern ganz das Gegenteil. Und dass daraus dann Freundschaften, Bekanntschaften, sonstige Dinge entstehen, das gehört natürlich dazu. Und das ist ja auch das Schöne. Also ob das jetzt die Sternsinger sind, ob das jetzt so Aktionen wie Tag des Lebens ist, ob das einfach Gottesdienste sind, wo man herkommt und sich freut, weil anschließend dann noch ein Pfarrcafé ist. Das sind alles ganz besondere Sachen und das schätze ich sehr. Für mich privat ist der Weg zu Gott eigentlich ein täglicher. Ich bete täglich abends, ein Vater unser, ein gegrüßet Zeist du Maria, weil ich weiß, du musst dich zuerst für etwas bedanken, um etwas Neues zu fordern. Und das mache ich täglich. Andere nennen es Affirmationen, ich bete.

Birgit Poimer

Danke, liebe Doris. Vor mir ist es schön zu sehen, wie tief dich dein Glaube bewegt. Das heißt, wie tief deine Beziehung ist. Und was ich jetzt schön finde und was wir vielleicht so als Botschaft an Frauen mitgeben können, ist erstens, denkt immer an euren großen Werten, eure Würde. Und was ich aber jetzt sehr stark gehört habe, ist, kommt in die Gemeinschaft, tun wir uns zusammen, netzwerken wir, geben wir einander, aber nehmen wir auch voneinander. Also gehen wir hinein in die Gemeinschaft und damit wir nicht das Gefühl haben, wir müssen alles alleine schaffen. Das würde ich auch so sagen, ist das, wofür du stehst, Toris, wofür du dich einsetzt. Ein ganz großes Danke auch im Namen der vielen Frauen, für die du dich einsetzt, für die du da bist. Schön, dass du heute hier warst. Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich, dass Sie auch diese Gemeinschaft haben, diese Freude am Glauben, so wie unsere Tor ist. Und wir sehen uns oder hören uns bald wieder bei den Sonntagsgespräch.